Ein Interview mit Rechtsanwalt Robert Lewandowski von der Kanzlei dLP Dr. Robert Lewandowski & Partners sp. k. bei Ryszard Żabiński
Kann in den Zeiten der wirtschaftlichen Instabilität die strategische Wachstumsstrategie von Unternehmen besser auf die Übernahmen, Zusammenschlüsse oder vielmehr auf beschränkten Wachstum gestützt werden?
Die Zeiten der wirtschaftlichen Wechselhaftigkeit (insbesondere Rezession und Inflation) nebst laufenden Konflikte tragen in keiner Weise zur Stabilität auf den Märkten bei und haben einen durchaus negativen Einfluss auf die Zahl von Zusammenschlüssen und Übernahmen. Jede Wertermittlung und Firmenbewertung können sich unerwartet ändern eben wegen unvorhersehbaren Marktentwicklungen.
Dennoch werden die Übernahmen von anderen Unternehmen weiterhin fortgesetzt und sie bilden einen wichtigen Faktor bei der Einführung der Wachstumsstrategie, Vermeidung der Schwächung der wirtschaftlichen Konjunktur und sogar der Insolvenz.
Wenn es sich um den polnischen Markt handelt, bleibt Polen nach wie vor ein Hotspot auf dem Gebiet von Fusionen und Übernahmen. Der polnische Markt von Fusionen und Übernahmen war in der Lage eine Widerstands- und Entwicklungskraft im Unterschied zu den globalen Höhen und Tiefen zu bilden.
Die Landschaft von Fusionen und Übernahme zeigt ein interessantes Bild in Polen. Die überwiegende Zahl von Übernahmen hat man in der Energiewirtschaft beobachtet. Viele Unternehmen, die die Diversitätsstrategie in dem Energiesektor einführen, hat Ausschau nach dem Erwerb von Unternehmen insbesondere in den Bereichen von Grünenergie und fortgeschrittenen Energietechnologien gehalten (zum Beispiel der deutsche Remondis, welcher in Verarbeitung tätig ist, hat SFW Energie gekauft, der polnische Orlen übernahm dagegen Energo i Doppler Energia). Darüber hinaus lässt sich auch eine hohe Zahl von Übernahmen auf dem Medizinmarkt verzeichnen, auf dem die an der Produktion von medizinischen Produkten, Forschungseinrichtungen und Arzneimitteln orientierten Betriebe agieren.
Das nächste interessante Segment für die Investoren bleiben die Rechtsträger, welche in den Sektor von neuen Technologien beherrschen, welcher die Computerspiele und Software hauptsächlich umfassen. Als Beispiel hat der chinesische Tencent die renommierte polnische Gaming -Gesellschaft Techland erworben. Zu lukrativen Geschäftsbereich für Investoren gehört auch die Lebensmittelbranche in Polen. Der deutsche Lisner Holding, der zu der deutschen Lebensmittelkapitalgruppe: Theo Müller gehört, hat einen Teil von Aktiven der Graal- Gruppe übernommen – den polnischen Marktführer in der Branche von Fischkonserven.
In den Zeiten der Verschlechterung der wirtschaftlichen Konjunktur erhöht sich das Risko von Zusammenschlüssen und Übernahmen. Welche Form ist für den Wachstum eines Unternehmens besser geeigent?
Meiner Meinung nach sind die Kosten einer Fusion vielmehr niedriger als die Kosten einer Übernahme und dies kann von Einfluss sein in den Zeiten der wirtschaftlichen Flaute. Im Rahmen einer Fusion kann man in der Regel drei schwerwiegende Kostenpositionen feststellen:
- Honorare von Berufsträgern ( Anwälte, Buchhalter, Berater, Steuerberater, welche sich nach der Größenordnung der Fusionstransaktion),
- Steuer- und Finanzkosten,
- Integrationskosten, verbunden Management, Produktionsbeschränkungen, Marken, Personell, Anlagen, Kundenservice und Technologien.
Sämtliche diese Kosten können sogar den Gesamtkaufpreis für die Gesellschaften übersteigen und in einem solchen Fall wird die geplante Transaktion eher zum Scheitern verurteilt.
Die erwähnten Kosten werden auch im Rahmen von Übernahmen kalkuliert aber der entscheidende Faktor bleibt hier der finale Kaufpreis für die Übernahme eines fremden Unternehmens.
Die Fusion bedeutet den Zusammenschluss von zwei Unternehmen, wo ein Unternehmen das andere absorbiert. Die übernehmende Gesellschaft bleibt weiterhin bestehen, wogegen die übernommene Gesellschaft aufgelöst wird. In schwierigen Zeiten kann sich die Fusion als eine Hilfe erweisen, um die Krise zu überwinden.
Wir unterscheiden zwischen mehreren Fusionsformen. Zum Beispiel ist eine konglomerate Fusion zwischen Unternehmen, die an völlig unabhängigen Geschäftsaktivitäten beteiligt sind. Diese Fusionen finden in der Regel zwischen Unternehmen verschiedener Branchen oder Unternehmen an unterschiedlichen geografischen Standorten statt.
Es gibt zwei Arten von Konglomeratfusionen: reine und gemischte Fusionen. An reinen Konglomeratsfusionen sind Unternehmen beteiligt, die nichts gemeinsam haben, während an gemischten Konglomeratsfusionen Unternehmen beteiligt sind, die nach Produkterweiterungen oder Markterweiterungen suchen.
Unabhängig davon, für welche Fusionsform wir uns entscheiden, müssen wir auch kartellrechtliche Gegebenheiten berücksichtigen. Eine Konzentration von Unternehmen kann nicht zur Beschränkung des Handels oder
Soll bei der Übernahme eines Unternehmens auch die Referenzen und Analysen bezüglich der Anwendung der ESG Strategie in Betracht genommen werden?
Der Begriff ESG stammt aus dem Englischen und ist eine Abkürzung für Environmental, Social und Governance (zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) und bezeichnet ein umfassendes Regelwerk zur Bewertung der nachhaltigen und ethischen Praxis von Unternehmen. Bei ESG handelt sich um einen Sammelbegriff unter dem Blickwinkel des Einflusses des Unternehmens auf die Gesellschaft und die Umwelt. ESG steht für Soziales und umfasst die Beziehung eines Unternehmens zu seinen oft als Stakeholder bezeichneten Interessengruppen. Die ESG-Definition meint damit Personen oder Gruppen, die von den unternehmerischen Aktivitäten direkt oder indirekt betroffen sind oder diese beeinflussen können.
Wenn wir eine Entscheidung für eine Fusion oder Übernahme treffen, sollten wir auch berücksichtigen, welche Risiken die gegebenen Branche für die Entwicklung von ESG birgt. Insbesondere in solchen Tätigkeitsbereichen wie Kleider – und Textilproduktion, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Rohstoffabbau, Bergbau oder Großhandel wäre die Vorprüfung anzuraten, welche Wert ein Unternehmen im Bereich der Anwendung und Entwicklung von ESG hat.
Es dürfen dabei auch die EU- Regelungen über die Industrieemissionen nicht außer acht gelassen werden, wie RICHTLINIE (EU) 2024/1785 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 24. April 2024 zur Änderung der Richtlinie 2010/75/EU des Europäischen Parlaments und des Rates über Industrieemissionen (integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung) und der Richtlinie 1999/31/EG des Rates über Abfalldeponien sowie die VERORDNUNG (EU) 2024/1244 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 24. April 2024 über die Berichterstattung über Umweltdaten von Industrieanlagen, zur Einrichtung eines Industrieemissionsportals und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 166/200



